Text zur Werkschau 2005 Martin Henkel

„ICH – BALLETT“, ist der Titel der Ausstellung und zugleich der Installation auf dem großen Podest. ICH – das heißt, alles dreht sich um das Individuum. Die Figuren selbst bestehen aus einem Arm, einem angedeuteten Körper und einem Kopf. Ein starker Arm, der dem Betrachter sagen soll, dass man alles schaffen kann, wenn man nur will -
sein Schicksal selbst in die Hand nehmen - dem eigenen Willen folgen. Der angedeutete Körper hat etwas Schwebendes und Fließendes, im Gegensatz zu dem Arm, der Kraft und Stärke symbolisiert. Im übertragenen Sinne bedeutet das, dass Prozesse und Ziele trotz eigenem Willen nicht unbedingt zu realisieren sind. Der kleine Kopf steht für begrenztes und auf SICH beschränktes Denken. Die Figuren sind festgehaltene Momente einer Bewegung – wie z.B. eingefrorene Lebensabschnitte einer Person oder auch Anstrengungen der Selbstverwirklichung. Auf dünne Stangen gestellt, hat die Figur eine flexible Verbindung zum Boden, aber auch eine instabile Erdung.

Die gesamte Installation ist zuerst in einem 3-D-Programm visualisiert worden, um so eine genaue Vorstellung ihres Charakters zu bekommen. Das Visualisieren in einem 3-D-Programm basiert auf Vektoren und Flächen. Die gleiche Vorgehensweise hat Martin Henkel dann bei der Übersetzung ins Reale angewandt. Es wurde ein Drahtgittermodell in der Originalgröße hergestellt, mit Ton bezogen und ausmodelliert. Die so entstandene Figur wurde mit Gips abgegossen und dann wieder aus der Form herausgeholt, in seiner eigenen Form verändert, wieder abgegossen usw. Aus diesen Negativformen sind Reproduktionen aus Papier entstanden, die vervielfältigt wurden.

Die Anstrengungen der Bewegung dieser einen Figur in der Vielzahl ergeben für Martin Henkel eine Art Tanzformation, die er ICH-Ballett nannte, da alle Figuren ursprünglich von einer abstammen und so den Wandel des Ich’s im Lauf der Zeit demonstrieren. Er meint, jeder von uns ist sozusagen ein Ich-Ballett.

Seit seinem 15. Lebensjahr ist Martin Henkel in den unterschiedlichsten künstlerischen Bereichen tätig. Dazu zählen Malerei, Bildhauerei, Gebrauchsgrafik und Illustration sowie Möbeldesign, digitale Bildbearbeitung und die 3-D-Visualisierung. Soziokulturelle Projekte mit Jugendlichen zählen ebenso zu seiner Arbeit wie das Mitwirken in einem Kulturprojekt des Landes Brandenburg mit dem Schwerpunkt, bildende und darstellende Kunst zu vereinen.

Martin Henkel arbeitet in Wünsdorf und Berlin, wo sich sein Atelier in der Stadt in den letzten 4 Jahren in Zusammenarbeit mit der Finnischen Kunstakademie zu einer Projektgalerie entwickelt hat, wo skandinavische Kunststudenten Ausstellungen und Workshops realisieren.

Sein Hauptinteresse liegt jedoch in der Malerei und Bildhauerei. Anregungen erhält er immer wieder durch Auslandsaufenthalte u.a. in Afrika, Australien und Südamerika. Natur, Gesellschaft, das soziale Verhalten der Menschen geben ihm Inspiration für sein künstlerisches Schaffen. Martin Henkel sucht Balance im Widersprüchlichen, versucht Harmonie durch Gegensätzlichkeit zu erreichen. Er versucht Dinge zu realisieren, die eigentlich nicht funktionieren können, schafft sich Widerstände, um sie zu bezwingen, will seine Grenzen ausloten.

Diese Herausforderung ist für ihn Motor - im Leben und in der Arbeit. So auch bei seinem Zyklus „Entwicklung und Prägung“, von dem 8 Figuren hier zu sehen sind. Es handelt sich um Arbeiten aus Holz, die auf unterschiedlichste Weise entstanden sind. Einmal wurde die Skulptur ausgehend von der Natur aus einem Stück modelliert. Ein anderes Mal wurde die Skulptur in einem 3-D-Programm am PC konstruiert und dann in Schichten und Schnitte zerlegt. Aus diesen Schichten und Schnitten, die man sich wie eine Silhouette vorstellen muss, entsteht die Figur. Real wird sie dann aus vielen kleinen Stücken zusammengefügt und in Schichten verleimt.

Martin Henkel geht es bei dieser Arbeit um die Spannungen und Kraftanstrengungen eines Körpers bei seiner Wachstumsentwicklung, dargestellt durch die Verformung der Oberfläche und die Körperstellung. Die Strukturen in der Oberfläche stellen eine Prägung dar, der jedes Individuum im Laufe seines Lebens unterliegt. Die Herausforderung, die sich der Künstler noch zusätzlich gestellt hat, ist, die Skulpturen außerhalb ihres Schwerpunktes in der Balance zu halten.

Auch die Bilder von Martin Henkel entstehen in den unterschiedlichsten Techniken. So gibt es z.B. die großen Ölgemälde, die auf Lasurtechniken basieren. Viele deckende und transparente Schichten wurden übereinander aufgetragen, und im Wechsel von zeichnen und malen entstanden Objekte in Raum und Licht.

Bei diesen Arbeiten liegt die Frage zu Grunde: Was bleibt von einem Organismus nach seinem Ableben? Es ist der Versuch, das Verbleiben von Energie, Licht und Bewegung darzustellen. Die Aquarelle haben das gleiche Thema zum Inhalt. Ein Spiel mit Farbe und Form, Vernebelung und Schärfe und ein Spiel mit den Gegensätzen – das sind die Arbeiten auf Aluminium.

Sie sind in einer Mischung aus analoger und digitaler Malerei entstanden. Mit Lackfarbe spielt der Künstler hier mit schnellen Zeichnungen auf Offset- Platten, fotografiert diese dann digital, fügt mit den Computer Elemente hinzu, entfernt und verändert.

Die Bedeutung der Bilder liegt auch hier wieder im Gegensätzlichen: Im endlosen Raum schweben und doch mit etwas verbunden sein.
 
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